Wie deine berufliche DNA sich auf deine Positionierung auswirkt

Gina Nauen Coaching über berufliche DNA

Kennst du das Gefühl, dass du dich beruflich neu erfinden willst, aber andere dich immer noch in deiner alten Rolle sehen? Oder anders gefragt: Kann man seine berufliche DNA jemals wirklich ablegen?

Nehmen wir zum Beispiel an, du bist Arzt und schon eine Weile nicht mehr tätig. Wenn in deinem Umfeld ein Notfall auftritt, wirst du helfen? Ganz sicher. Denn du bist immer noch Arzt von deiner DNA her, auch wenn du nicht mehr praktizierst. Deine berufliche DNA bleibt erhalten. Ist das in allen Berufen so ähnlich? Was meinst du?

Wenn deine berufliche Herkunft wie eine zweite Haut ist

Kann man sich beruflich neu erfinden? Die Frage ist spannend, weil wir mit den Brüchen unseres Lebens auch in neuen berufliche Lebenswelten erfolgreich sein wollen.

Lass mich hier mit meinem Beispiel anfangen: Ich war mein Leben lang im Marketing tätig. Schon meine Diplomarbeit drehte sich um Corporate Identity, und ich wusste schon vor meinem Studium, dass ich in Werbung und PR arbeiten will. In meinen über 20 Jahren als Marketingleiterin, Agenturinhaberin und Marketingberaterin habe ich unzählige Marken positioniert, beworben und sichtbar gemacht.

Heute arbeite ich als Business Coach für Positionierung und Personal Branding mit Selbstständigen und Solopreneur:innen. Und wieder geht es um Identität, Positionierung, Sichtbarkeit – nur dass die Marke heute der Mensch ist.

Widerstände sind ein Hinweis

Es gab jedoch eine Zeit, in der ich versucht habe, etwas anderes zu machen, nämlich mich in erster Linie als Energie-und Zeitmanagement-Coach zu positionieren. Auch aus voller Überzeugung und großer Leidenschaft für das Thema.

Dennoch habe ich gespürt: Ganz gleich, wohin ich gehe: Die Menschen sehen als erste das Marketing in mir. Es ist als ob meine berufliche DNA durch alles hindurchscheint. Kolleginnen, Kundinnen und Bekannte, nehmen mich als Marketingfrau wahr. Wenn ich einen Raum betrete, bekomme ich zu hören: „Hallo Gina, ach ja – Marketing!“

Und vielleicht kennst du das auch in einer ähnlichen Art und Weise: Du wechselst die Rolle oder Branche und trotzdem sehen andere immer noch „die Projektfrau“, „die Analytikerin“, „die Verkäuferin“, „die Kommunikatorin“ in dir.

Kurz gesagt: Deine berufliche DNA verschwindet nicht, aber du kannst bewusst entscheiden, wie du sie in deiner Positionierung nutzt.

Was ich unter „beruflicher DNA“ verstehe

In der Markenwelt sprechen wir vom Markenkern: der inneren Struktur aus Werten, Persönlichkeit, Geschichte, Vision und Versprechen, die eine Marke unverwechselbar macht. Ein Logo ist eine äußere Repräsentanz dessen, es zeigt, was den inneren Kern ausmacht.

Übertragen auf uns als Selbstständige ist deine berufliche DNA für mich die Kombination aus:

  • deinen beruflichen Erfahrungen
  • deinen Stärken und Vorlieben (und auch deinen Abneigungen)
  • deinen Werten und deiner Haltung
  • deiner Art zu denken, zu begleiten, zu entscheiden
  • deiner Vision und gelebten Identität
  • der Wirkung, die du auf andere hast, ob geplant oder willkürlich.

Diese Mischung trägst du wie einen von innen leuchtenden Kern als deine berufliche DNA. Sie erklärt, warum dir bestimmte Dinge leichtfallen und andere dich wahnsinnig viel Energie kosten. Und sie prägt, wie du dein Business aufstellst, wie du kommunizierst und welche Kunden und Kundinnen du anziehst.

Können wir uns beruflich neu erfinden?

Das habe ich meine Community in einem LinkedIn‑Posting gefragt. Und es kamen zu diesem Thema sehr unterschiedliche Reaktionen:

  • Viele waren der Meinung: „Man kann sich neu erfinden, aber die Kompetenzen und Erfahrungen bleiben und schimmern weiter durch.“
  • Eine sagte: „Wir haben eine Verhaltens‑DNA und die bestimmt, was uns leichtfällt und was uns Energie zieht. In der Selbstständigkeit ist das wichtig, weil wir alle Rollen innehaben, nicht nur die, die wir mögen.“
  • Wieder andere sagten: „Bei mir war das nicht so. Ich habe mehrfach den Job gewechselt, ohne dass die alten Etiketten an mir kleben geblieben sind.“

Ich finde den Gedanken wichtig, dass unser Verhalten uns prägt, denn es impliziert, dass wir uns ändern können, wenn wir wollen. Verhalten hat Wirkung. Je häufiger wir etwas tun, desto stärker wirkt es nach innen und außen. Unsere Erfahrungen, Talente und Gaben prägen unsere Identität, was sich in unserem Verhalten ausdrückt.

Ja, du kannst dich neu erfinden

Das bedeutet: Ja, du kannst dich beruflich neu erfinden. Du kannst neue Kompetenzen aufbauen, neue Rollen einnehmen, in andere Themenfelder gehen. Und gleichzeitig bleibt deine berufliche Herkunft ein Schatz an Ressourcen, den du mitnimmst, ob du willst oder nicht.

Und dieser Ressourcenschatz ist wertvoll, denn du kannst ihn für dein neues Feld nutzen und ihn in einen neuen Rahmen stellen.

Ich finde das hervorragend. Du brauchst nichts von dir zu unterdrücken, um dich zu verändern. Du darfst dich neu erfinden und kannst dabei auf deinem bestehenden Kern aufbauen.

Die Bausteine deiner beruflichen DNA

Wenn ich mit meinen Klientinnen an ihrer Positionierung arbeite, starten wir mit ihrer persönlichen Basis, also ihrer beruflichen DNA.

Hilfreiche Fragen in diesem Kontext:

  1. Erfahrungen
    • Welche Stationen haben dich beruflich geprägt? Wo gab es Umwege und Brüche?
    • Was hast du durch diese Erfahrungen über dich, über Menschen und über die Art zu Arbeiten gelernt?
  2. Stärken
    • Wofür wirst du immer wieder um Rat gefragt, selbst dann, wenn du es gar nicht aktiv anbietest?
    • Was fällt dir so leicht, dass du es fast gar nicht als Stärke erkennst?
  3. Werte und Haltung
    • Was sind deine wichtigsten Werte, für dich persönlich und für dein Business?
    • Wofür stehst du in deinem Business auf keinen Fall zur Verfügung?
  4. Vision und Wirkung
    • Was möchtest du mit deiner Arbeit in Menschen bewegen?
    • Wie soll sich dein Business für dich anfühlen – und wie sollen sich Kunden und Kundinnen fühlen, wenn sie mit dir arbeiten?
  5. Zielgruppe
    • Mit wem möchtest du wirklich arbeiten?
    • Wer sind deine LieblingskundInnen, mit wem möchtest du nicht arbeiten?
    • In welcher Rolle willst du gesehen werden: Sparringspartnerin, Mentorin, Möglichmacherin, Strukturgeberin, Raumhalterin?

Wenn du diese Fragen beantwortest, erkennst du Muster. Genau diese Muster sind deine berufliche DNA.

Von der beruflichen DNA zur klaren Positionierung

Aus diesem inneren Kern entwickelt sich dann deine Positionierung.

  • Dein Positionierungssatz (Elevator Pitch) entwickelt sich auf der Grundlage deiner Identität: Wer du bist, für wen du da bist, welches Problem du löst, und wie du das auf deine Art tust.
  • Deine Botschaften werden klar: Du sprichst über das, was dich geprägt hat, über deine persönliche Story, was du glaubst und wie du arbeitest.
  • Deine Angebote fühlen sich runder an: Sie passen zu deinen Stärken, statt dich in Rollen zu zwingen, die dir permanent Energie ziehen.

Ein Beispiel:
Eine ehemalige Führungskraft, der Unabhängigkeit, Tiefe und Klarheit wichtig sind, kann sich natürlich als „Coach für mehr Erfolg“ positionieren. Stimmiger wird es aber, wenn sie sich als Sparringspartnerin für Frauen in Führungsverantwortung zeigt, die sich neu ausrichten wollen, mit klaren Gesprächen, ehrlichem Feedback und Raum für strategische Entscheidungen. Ihre berufliche DNA fließt direkt in die Positionierung ein.

Was das für deine Positionierung als Selbstständige bedeutet

Für deine Positionierung heißt das:

  • Du musst dich nicht komplett neu erfinden, um eine interessante Persönlichkeit zu sein, all das, was du bereits mitbringst, ist dein individuelles Asset.
  • Deine berufliche Herkunft ist eine wertvolle Ressource, auch dann, wenn du inhaltlich in eine andere Richtung gehst.
  • Klarheit entsteht, wenn du deine berufliche DNA kennst und bewusst entscheidest, welche Teile du mit in dein Business nimmst und welche du loslassen möchtest.

Möglicherweise spürst du jedoch, dass es noch viel alte Identität gibt, die du noch nicht sortiert hast. Und das kann der Grund sein, weshalb sich deine Positionierung noch nicht richtig stimmig anfühlt.

Kleine Übung für dich

Nimm dir ein paar Minuten und beantworte schriftlich:

  1. Welche drei beruflichen Stationen haben mich am stärksten geprägt? Was davon nutze ich heute bewusst?
  2. Wofür sehen andere mich immer wieder, ganz egal, was ich gerade in meinem Business anbiete?
  3. Welche Anteile meiner beruflichen DNA dürfen in meiner aktuellen Positionierung noch sichtbarer werden?

Schau dir deine Antworten an: Das ist eine gute Basis für eine authentische Positionierung.

Wenn du deine berufliche DNA klarer sehen möchtest

Ich arbeite mit Selbstständigen und Gründerinnen, die genau an diesem Punkt stehen: Sie spüren, dass sie mehr sind als ihr aktueller Jobtitel und dass ihre Erfahrungen, Stärken und Geschichten eine Rolle spielen sollten, wenn sie sich positionieren.

In meinen Coachings schauen wir zuerst nach innen: Was ist deine berufliche DNA? Welcher Kern zieht sich durch alles hindurch? Und wie kannst du diesen Kern so in Worte fassen, dass deine Wunschkunden und Wunschkundinnen dich sofort als die richtige Wahl erkennen?

Wenn du merkst, dass sich deine Positionierung noch nicht ganz stimmig anfühlt, liegt das oft daran, dass du vielleicht noch nicht das Wesentliche aus deiner beruflichen DNA herausgearbeitet hast. Genau dabei begleite ich dich im Coaching: Wir übersetzen deinen Kern in eine klare, glaubwürdige Positionierung, die sich nach dir anfühlt – und die die richtigen Kundinnen anzieht.

Schreib mir gern oder buche dir ein kostenloses Kennenlerngespräch.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert