Warum leise Frauen im Meeting überhört werden – und 3 Stimm-Übungen, um das zu ändern

Gina Nauen spricht mit offener Gestik bei einem Business-Event – Beispiel für Präsenz und Ausstrahlung durch Stimme und Körpersprache

Kennst du das? Du sitzt im Meeting, hast etwas Wichtiges zu sagen, setzt an, doch jemand anderes spricht vor dir lauter und schneller. Oder die Runde redet einfach weiter, als hättest du gar nichts gesagt.

Mir ist das vor Kurzem tatsächlich passiert. Ich wollte etwas einbringen, habe angesetzt zu sprechen und wurde nicht gehört, weil ich zu leise war. In dem Moment dachte ich: Verhalte ich mich hier eigentlich wie eine Maus?

Zum Glück bin ich nicht die einzige, der es so geht. Ich kenne das auch von meinen Klientinnen, die mir ähnliches über ihre Sichtbarkeit und Präsenz berichten. Sie betreten einen Raum – manchmal sogar als Geschäftsführerin des eigenen Unternehmens – und werden trotzdem nicht sofort wahrgenommen. Nicht, weil sie keine Präsenz haben, sondern weil ihre Stimme nicht das transportiert, was sie eigentlich zu sagen haben. Doch Sichtbarkeit und Positionierung sind kein Zufall.

Eine Prägung aus der Kindheit

Woher kommt das? Bei mir – und ich vermute, bei vielen von euch – reicht die Antwort weit zurück. „Sei leise.“ „Sprich nicht so laut.“ „Halte dich zurück.“ Sätze, die viele von uns als Kinder gehört haben, oft ohne böse Absicht. Und die sich trotzdem tief eingeprägt haben.

Das Ergebnis: Wir werden erwachsen, übernehmen Verantwortung, leiten vielleicht sogar Teams oder ganze Unternehmen und sprechen dabei immer noch mit der leisen, zurückgenommenen Stimme, die wir uns als Kind angewöhnt haben. Kein Wunder, dass Ausstrahlung, Sichtbarkeit und Präsenz darunter leiden.

Was ich bei einer Opernsängerin gelernt habe

Im Juli habe ich beim Metaforum SommerCamp in Abano Terme ein Seminar von Laura Baxter besucht – Opernsängerin und Coach, mit dem Titel „Souverän, Authentisch, Erfolgreich: Wie Sie durch Ihre Stimme und Körpersprache überzeugen und begeistern“.

Wir haben in der Gruppe eine Übung gemacht, die mich bis heute beschäftigt: Erst sollten wir einen Satz sagen. Ganz normal, so wie wir es immer tun. Dann haben wir unsere Stimme mit einem Sirenenton „geölt“ und anschließend mit einem Korken zwischen den Zähnen eine kleine Artikulationsübung gemacht.

Und dann haben wir den Satz noch einmal gesagt.

Der Unterschied war verblüffend. Die Stimme kam plötzlich nicht mehr eng durch den Hals gepresst, sondern voll und kraftvoll aus dem Brustkorb. Bei mir selbst und genauso war bei jeder einzelnen Person in der Gruppe ein enormer Unterschied zu hören.

Ich hatte bis dahin immer gedacht, Präsenz sei vor allem eine Frage der Haltung, das richtige Outfit, eine aufrechte Haltung, eine klare Ausstrahlung. Das haben wir schließlich alle irgendwann gelernt: Kopf hoch, Schultern zurück. Aber dass die Stimme genauso zu unserer Präsenz gehört, dass sie durch eine bewegliche Haltung gefördert wird und wie sehr sie unterschätzt wird, das ist mir erst in diesem Seminar wirklich klar geworden.

3 Stimm-Übungen, die deine Sichtbarkeit und Präsenz stärken

Wenn du dich in der leisen, zurückgenommenen Stimme wiedererkennst, sind hier drei Übungen, die dir helfen, mehr von deiner eigentlichen Kraft in deine Stimme zu bringen:

  1. Die Sirenen-Übung: Summe oder töne einen weichen „Sirenenklang“ von tief nach hoch und wieder zurück, wie ein Martinshorn, nur sanft. Das lockert die Stimmbänder und „ölt“ deine Stimme, bevor du in ein wichtiges Gespräch oder eine Präsentation gehst.
  2. Die Korken-Übung: Nimm einen Korken (oder einen Stift) zwischen die vorderen Zähne und sprich einen Satz laut und deutlich aus. Das trainiert deine Artikulation und zwingt dich, bewusster und offener zu sprechen. Danach sagst du den Satz ohne Korken noch einmal du wirst den Unterschied hören.
  3. Bewusst aus dem Brustkorb sprechen: Leg dir eine Hand auf den Brustkorb, atme tief in den Bauch und lass deine nächsten Sätze von dort aus „starten“, statt sie eng durch den Hals zu pressen. Stell dir vor, dein Hals ist weit geöffnet und der Klang kann frei hindurchströmen.

Probier diese drei Übungen vor deinem nächsten wichtigen Meeting, deiner nächsten Präsentation oder deinem nächsten Online-Meeting aus. Du wirst überrascht sein, wie viel Kraft in deiner Stimme steckt, die bisher einfach nicht durchgekommen ist.

Für wen das besonders wichtig ist

Gerade wenn du eine Führungsposition hast oder selbstständig bist, entscheidet deine Stimme mit darüber, ob du wahrgenommen wirst, Es geht nicht nur um das, was du sagst. Gerade Frauen nehmen sich hier oft zurück, ohne dass es ihnen bewusst ist. Nicht alle natürlich, aber es ist doch bei vielen zu bemerken.

Deine Positionierung und Sichtbarkeit beginnt nicht erst bei der Frage, ob du dich traust, den Raum zu betreten. Sie beginnt bei der Frage, mit welcher Stimme du dann sprichst, wenn du drin bist.

Kennst du das Gefühl, überhört zu werden, obwohl du eigentlich etwas Wichtiges zu sagen hattest? Ich freue mich auf deinen Kommentar oder deine persönliche Nachricht.

Herzlichst, deine Gina

P.S. Wenn du magst, teste doch diese Woche einmal ganz bewusst die Sirenen-Übung, bevor du in ein wichtiges Gespräch gehst und schreib mir, was sich für dich verändert hat.

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